Quelle: Thuner Tagblatt, Freitag, 30. April 1999, Nr. 099
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Sie können den Zeitungsbericht als PDF-Datei herunterladen!

«Die Pferde sind mein Lebensinhalt»
Reitschule Thun feiert am 1. Mai 1999 ihr 30jähriges Bestehen mit «Tag der offenen Tür»
«Reitschule Thun». «Versicherungen sind Sache der Teilnehmer». Seit vielen Jahren hängen diese beiden Schilder an der Aussenwand des alten Bauernhauses an der Buchholzstrasse 109 in Thun-Gwatt. Auch der Hund bellt wie gewohnt zur Begrüssung. Der Geruch von Pferden hängt in der Luft. Erinnerungen an die Schulzeit werden wach. Die Zeit scheint hier stillzustehen. Doch: Die Reitschule Thun feiert am 1. Mai mit einem «Tag der offenen Tür» ihr 30jähriges Bestehen.
Zwar befinden sich mit zurzeit elf Pferden etwas weniger als früher in den Stallungen, nebst den zwei Katzen und den beiden Hunden leben noch 52 Hühner und zwei Schafe dort. Im selbst hergestellten Dressurviereck im Freien wurde der Belag ersetzt, auf einem angrenzenden Teil wurde der Reitbereich für Springstunden ergänzt, doch blieb vieles beim alten: «Wir stehen nach wie vor spätestens um fünf Uhr auf, misten die Boxen und Stände und füttem die Tiere. Unverändert führen wir unseren Betrieb mit Hilfe von einigen Schulkindern selbst», erklärt Anita Pecka dem TT, während sie durch die Stallungen geht und die Pferde vorstellt. Sie hat vor 30 Jahren zusammen mit Alfred Zwygart die Reitschule Thun ins Leben gerufen die erste Reitschule in Thun überhaupt. Dieses Jahr feiert sie, die sich äusserlich in all den Jahren kaum verändert hat, ihren 50. Geburtstag, und der «Chef», wie ihn alle nennen, seinen 71. Geburtstag.
Früher... und heute
«Früher wollten beinahe nur Mädchen als Stallknechte mithelfen lind Pferde reiten, heute sind es auch Buben», erzählt die Reitlehrerin von den Unterschieden zu damals. Zu Beginn hätten die Leute mehr nach Ausritten gefragt, heute mehr nach Dressur- oder Springstunden. «Früher waren bei uns Jurareitferien aktuell, heute das Absolvieren des eidgenössisch anerkannten Brevets.» Anita Pecka, die nebenbei Pferde anreitet und ausbildet, an Springturnieren teilnimmt und als Hobby taucht, nahm früher an Pferderennen teil, danach an Military- und Dressurwettkämpfen. «Jetzt züchten wir keine Pferde mehr», bedauert sie ein wenig und sagt: «Wir finanzieren die Reitschule Thun mit den Pensionspferden, dem Schulbetrieb und den Reitstunden, die ich auswärts erteile.» Die Pferde sind seit der Jugendzeit ihr Lebensinhalt: «Am meisten Spass bereitet mir die Arbeit mit den Pferden und den Menschen. Sie ist sehr direkt, und mich freut mitzuerleben, wie beide Parteien laufend ihre Leistungen verbessern.»
Am 1. Mai: Ein Fest für alle
Das Fest am 1. Mai beginnt um 13 Uhr und dauert bis zirka 16 Uhr. Wer den Pferdesport kennenlernen will, kann während einer Viertelstunde gratis im Viereck reiten. Den Hunger und den Durst stillen Snacks, Kuchen, Kaffee und sonstige Getränke. Als Attraktion werden Helikopterrundflüge durchgeführt, die pro zehn Minuten rund 60 Franken kosten. Die Kinder können sich zudem in einem Spielparcours mit Pfeilschiessen und Stelzenlaufen einige Preise holen.
Franziska Streun